Landesligisten proben den Aufstand

Neue Staffeleinteilung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes sorgt für Entrüstung bei Westküsten-Quartett

Mit Enttäuschung und Ablehnung haben die Landesligisten VfL Kellinghusen, VfR Horst, FC Reher/Puls und BSC Brunsbüttel auf die neue Staffeleinteilung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) reagiert. Vor einer Woche noch sollten die vier Teams aus dem neuen Kreisfußballverband (KFV) Westküste in der Landesliga Schleswig antreten. Mit diesem Vorschlag waren alle einverstanden. Am Mittwoch gab es jedoch eine Kehrtwende.

Nun soll das West-Quartett in der Holstein-Staffel spielen, was mit längeren Fahrtzeiten verbunden ist. Damit ist keiner der vier einverstanden. Im Gegenteil: Man fühlt sich vom SHFV-Präsidium über den Tisch gezogen, weil die Vereine aus dem Kieler Raum bevorzugt worden seien. Am Sonnabend wollen die vier sich deshalb in Kellinghusen treffen, um gemeinsam gegen diese Staffeleinteilung in Stellung zu gehen und das weitere Vorgehen abzustimmen. Wir sprachen vorab mit den Vertretern der Klubs.

VfL Kellinghusens Fußballobmann Andreas Delfs, Initiator des Treffens, hatte als einer der ersten Kontakt mit Verbandspielausschussobmann Klaus Schneider aufgenommen. Sein Eindruck, Schneider sei vom Präsidium überstimmt worden, deckt sich auch mit den Aussagen von anderen Funktionären. Delfs: „Schneiders ursprünglicher Vorschlag, den auch wir als Vereine favorisiert haben, fand keine Berücksichtigung. Wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass alles so bleibt.“

Stattdessen sei vom Präsidium des SHFV beschlossen worden, die Einteilung ausschließlich einer Software zu überlassen. „Durch diese Vorgehensweise sind die Kieler Vereine massiv bevorteilt worden, während wir deutlich längere Fahrtzeiten auf uns nehmen müssen.“ Außerdem sei immer betont worden, dass bei einem Wechsel ein Tausch mit einem anderen Verein stattfinden müsse. Das sei vorher unter den betroffenen Clubs abzustimmen. „Jetzt wurden wir einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Entscheidung ohne menschliche Einflussnahme allein dem Computer zu überlassen, halte ich für völlig falsch.“ Jetzt wolle man in einer konzertierten Aktion versuchen, das SHFV-Präsidium umzustimmen.

Völlig aus den Wolken fiel TSV Rehers Vorsitzender Klaus-Peter Wiesenberg: „Wir waren immer davon ausgegangen, dass wir im Norden spielen werden. Die neue Einteilung ist für uns eine wirtschaftliche Katastrophe.“ Der Computer suche möglichst viele Vereine, die wenig fahren müssten, während der Rest in die Röhre schaue. „Die Kieler Klubs fahren mit der Straßenbahn zu ihren Spielen und wir müssen neun Mal über 90 Kilometer Richtung Lübeck gurken. Das kostet uns einen Haufen Geld.“

Hinzu komme, dass die Vereine von dort keine Zuschauer mitbringen. Diese Erfahrung habe man leider in der SH-Liga machen müssen, so Wiesenberg. Er frage sich, wer aus dem Kieler Bereich im SHFV-Präsidium so viel Macht besitze, die ursprüngliche Entscheidung des Spielausschusses einfach umzustoßen. „Hätten wir vorher gewusst, dass unsere Zuteilung in die Nordstaffel in Frage gestellt ist, hätten wir vorsichtshalber auch gleich eine Meldung für die Verbandsliga mit abgegeben.“

In das gleiche Horn stieß auch Marc Stratmann, Vorsitzender des VfR Horst: „Wir werden in Kellinghusen diskutieren, wie wir unseren Widerstand formulieren. Denn auch wir sind mit der veränderten Einteilung in die Landesliga Süd nicht einverstanden. Unser Verein hatte in der vergangenen Woche Rückmeldung gegeben, dass die Nord-Zuteilung völlig in Ordnung ist. Umso unverständlicher ist dann jetzt dieser Sinneswandel.“

Der VfR hat bereits seinen Protest per Mail in Kiel hinterlegt. Auch VfR-Pressesprecher Marcel Mundt ist ziemlich bedient: „Stets wurde betont, dass man eine möglichst faire Lösung für alle Beteiligten will. Das klingt wie der blanke Hohn, wenn man jetzt sieht, wie mit den Vereinen umgesprungen und hantiert wird. Das Ganze ist unglaublich unprofessionell.“

Auch bei der Einteilung der unterklassigen Teams hadert man in Horst – jedenfalls zum Teil. So habe zum Beispiel die dritte Mannschaft sehr viele Segeberger Gegner. Richtig „stinkig“ ist man auch in Brunsbüttel. „Das ist eine Vollkatastrophe“, sagt Fußball- und Liga-Obmann Markus Kählau. Er zieht § 5, Absatz 9 der Spielordnung zu Rate: „Dort heißt es, dass einzig der Spielausschuss für die Zusammensetzung der Staffeln zuständig ist. Da frage ich mich, warum der SHFV gegen seine eigene Spielordnung verstößt.“

Er könne es überhaupt nicht nachvollziehen, warum der erste Vorschlag von Spielausschussobmann Klaus Schneider nun wieder umgestoßen wurde – und das alles ohne jegliche Rücksprache. „Mir fehlt da komplett die Transparenz, außerdem hat man dadurch den eigenen Spielausschuss komplett weggegrätscht.“

Der Vorsitzende des neuen KFV Westküste, Werner Papist, hatte diese Entwicklung schon vorausgesehen, will sich jetzt aber nicht mehr einmischen. „Die Suppe müssen die Verantwortlichen in Kiel selbst auslöffeln. Ich war von vornherein skeptisch, dass alles rund ablaufen wird. Das wollte aber kaum jemand hören.“

Autor: SHZ/R. Stöter/M. Lemm

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